20 Jahre FORUM

20 Jahre FORUM

In die Mitte der Gesellschaft - Der Weg der Wohnprojekte

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts galten neue Wohnformen noch als etwas Exotisches. Sie wurden als Träumereien von notorischen Weltverbesserern, als unbedeutendes und zu vernachlässigendes Nischensegment im Wohnraumangebot und als eine zeitlich befristete Modeerscheinung betrachtet. Entsprechend schwer hatten es die damaligen Protagonisten der noch jungen Bewegung.

In vielen Regionen der Bundesrepublik waren Wohnprojekte aus ganz verschiedenen Motiven entstanden. Die nicht ganz neue Idee des gemeinschaftlichen Wohnens hatte damals europaweit eine wirkungsvolle Triebfeder durch die Hausbesetzerbewegung unangepasster junger Erwachsener bekommen, die mit unkonventionellen Mitteln gegen Stadtsanierung protestierten. Sie verbreitete sich auch als Wunsch von jungen Familien, die Kindererziehung gemeinschaftlich zu organisieren - anders als allein im trauten Eigenheim oder auf aufgelassenen Resthöfen "im Grünen" vor den Toren der Städte. Oft genug schlossen sich auch Menschen zum Wohnen in Lebensgemeinschaften zusammen, deren Mitglieder besondere Wertevorstellungen hatten.

Ein damals in der Wohnungspolitik unbekannter Akteur betrat in den 80er Jahren die fachpolitische Bühne: Ältere Menschen. Immer mehr stellten sich die Frage: Wie will ich wohnen, wenn es im Leben - wegen Betreuungsbedürftigkeit - ernst wird: Nachdem die Kinder aus dem Haus sind oder wenn ich alleine wohnen muss, weil keine Kinder und damit kein familiäres Hilfenetz verfügbar sind? Die demografische Entwicklung wurde von Betroffenen als persönlich zu lösende Aufgabe problematisiert, lange bevor sie in der Politik zum Thema wurde.

In dieser Phase entwickelte sich bei informellen Treffen von Initiativen und Fachleuten zum Thema Neue Wohnformen aus der gesamten Republik die Erkenntnis, dass es sinnvoll sei, sich gemeinsam/gemeinschaftlich mit den damit zusammenhängenden Fragestellungen zu befassen: Der Gedankenaustausch untereinander in einer institutionellen Plattform könne dem gemeinsamen Anliegen mehr Verbindlichkeit verleihen. Auf diese Weise entstand 1992 - nach zwei Jahren Vorlauf - das "Forum Gemeinschaftliches Wohnen im Alter" als eingetragener Verein. Dieser hat sich inzwischen - ohne den Zusatz "im Alter" - zu einer großen Bundesvereinigung mit Mitgliedern und Mitgliedsorganisationen aus allen Bundesländern entwickelt.

Heute wird das Thema der neuen Wohnformen als ein wichtiger Bestandteil der allgemeinen Wohnraumversorgung betrachtet. Studien über Wohnwünsche weisen aus, dass diese für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung eine Option sind, mit der sie sich nicht nur gedanklich befassen. Städte wie Freiburg und Tübingen haben ganze Stadtquartiere aus dem Gedanken selbst organisierter Nachbarschaften heraus entwickelt. Auch in Dörfern und Kleinstädten entstehen Wohnprojekte. Vielerorts gibt es in kommunalen Verwaltungen und anderswo Anlaufstellen, die sich im öffentlichen Auftrag mit dem Thema befassen. Einige Bundesländer haben gezielte Programme für neue Wohnformen in ihrem Förderangebot.

Das lässt erkennen: Die Rahmenbedingungen, das Verständnis für und die Akzeptanz von neuen Wohnformen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Das Thema Neues Wohnen wird heute oft genug als ein wesentlicher Beitrag zu den Herausforderungen des demografischen Wandels betrachtet. Mit dem FORUM seit 20 Jahren als bundesweitem Akteur mittendrin.